Wenige Jahre länger leben, dafür aber auf Schokolade, Torten und Co. verzichten? Wer will das schon? Die Aussicht allerdings, zehn Jahre oder sogar mehr dazu zugewinnen, wäre etwas, was man durchaus als Ansage bezeichnen könnte. Die Forscher um Li et al. (2018) von der »Harvard T.H. Chan School of Public Health« haben diesbezüglich Entscheidendes herausgefunden.

Jahre länger leben: Aber wie?

120 Jahre alt könnte der Mensch aus Forschungssicht werden. Doch kaum einer wird so alt. Schon gar nicht in unseren übersättigten westlichen Gesellschaften. In ihren Studien hat die Havard-Forschergruppe um Li nun ausmachen können, wie stark die Berücksichtigung einiger (bereits bekannter) Gesundheitsaspekte uns ein deutlich längeres Leben schenken könnte. Hier sind die üblichen Verdächtigen. Schauen wir mal, wie viel Jahre länger leben sie uns geben würden – wenn es gut läuft …

Gesundes für ein längeres Leben

Teller auf grüner Tischdecke, Hühnchen, Gemüse, Schüssel

Gesundes Essen sollte nicht im Übermaß genossen werden – um Jahre länger leben zu können. © Ella Olsson under cc

Ein Jeder von uns kennt sie bereits. Die Faktoren, welche uns sehr wahrscheinlich gesund bis ins hohe Alter führen sollen:

  • gesundes Essen in angemessener Menge
  • moderate körperliche Aktivität (mind. 30 Minuten pro Tag)
  • ein gesundes Körpergewicht/ geringer Body Mass Index (18.5-24.9 kg/m²)
  • wenig Alkohol, z.B. ein kleines Glas Wein (ca. 148 ml) für Frauen; zwei kleine Gläser für Männer
  • kein Tabakkonsum

Das alles sollte berücksichtigt werden während des gesamten Erwachsenenalters, zumindest einen Großteil davon.

Wofür die Qual? Gesundheit in lebenslangen Zahlen

Folgt man nun diesen oben genannten Gesundheitsmaßstäben während seines Lebens, könnten sich durchaus positive Konsequenzen im Alter einstellen. Für ihre Studien nutzten Li et al. die Daten der Nurses’ Health Study, welche von 1980-2014 an einer Stichprobe von 78.865 Menschen durchgeführt wurde. Zudem existierte ein zweiter Erfassungszeitraum, die Health Professionals Follow-up Study, von 1986-2014 an 44.354 Menschen, weitere Daten wurden ebenfalls mit einbezogen. Fest steht: eine beachtliche Stichprobengröße in einem Untersuchungszeitraum von etwa 34 Jahren, was durchaus Aussagekraft besitzt.

Wie sich in den Studien zeigte, ergab sich für die Männer und Frauen, welche den Gesundheitsempfehlungen streng folgten, eine um 82 % geringere Wahrscheinlichkeit an einer kardiovaskulären Erkrankung zu versterben, sowie eine um 65 % geringere Wahrscheinlichkeit, an einer Krebserkrankung zu versterben, verglichen mit denjenigen, welche den gängigen Gesundheitsempfehlungen nicht beziehungsweise weniger stark folgten. Während des 34-Jahre-Zeitraums wurden 42.167 Tode dokumentiert.

Sport & Co. enorm lebensverlängernd

Anhand der in der Langzeitsstudie errechneten Erkrankungs- und Mortalitätsraten ergaben sich diese Prognosen: Folgten die Studienteilnehmer den gängigen Gesundheitsempfehlungen nicht oder weniger, lag im Alter von 50 Jahren eine Lebenserwartung von 29 weiteren Jahren (für Frauen bzw. 25.5 weitere Jahre für Männer) vor ihnen. Wer dagegen die Gesundheitsratschläge vollends umsetzte, lag im Alter von 50 Jahren bei erfreulichen 43.1 zusätzlichen Jahren (für Frauen bzw. 37.6 weiteren Jahren für Männer). Vergleicht man beide Gruppen miteinander, wird deutlich, wie sehr solche Gesundheitsmaßnahmen einen um viele Jahre länger leben lassen könnten.

ältere Frau mit Kopftuch und Nasenring

Gesund älter werden, hängt mit dem Lebensstil zusammen, zum großen Teil. © Sukanto Debnath under cc

Doch wie lange muss man eigentlich »sporteln«, um ein solches Ergebnis zu erzielen? Als Zeitraum, der sich als effektiv gesundheitsfördernd entpuppt hat, gelten mindestens 14 Jahre des Lebens (bei Frauen), an denen man die gesundheitlichen Richtlinien umsetzt. Bei Männern reichen, überspitzt gesagt, 12 Jahre gesunde Lebensweise. Die Gesundheitsbewussten hatten eine um 74 % geringere Wahrscheinlichkeit, im Untersuchungszeitraum zu versterben.

Kumulativer Effekt für Gesundheit

Die Forschungen ergaben weiterhin, dass zwar jede einzelne Gesundheitsmaßnahme für sich einen positiven Effekt erzielt, alle zusammengenommen allerdings den größten gesundheitlichen Nutzen haben. Anhand der Daten konnte nun gezielt aufgezeigt werden, dass es jedem Einzelnen selbst obliegt, um viele Jahre länger leben zu können. Ein Jeder hat es weitestgehend in der Hand. Jetzt, da die Zahlen der Langzeitstudie vorliegen, wäre es ein Grund mehr, solchen Ergebnissen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Gehör zu schenken, um wichtige Programme hinsichtlich eines gesunden Lebens anzustoßen, wie einer der Forscher Frank Hu sagt: »… Therefore, public policies should put more emphasis on creating healthy food, built, and social environments to support and promote healthy diet and lifestyles.«