Eine Liebe, in Ewigkeit. Du und ich, wir alle, sehnen uns danach. Glücklich sein, bis ans Ende unserer Tage. Aber was, wenn sich dieses Glück nicht so recht einstellen möchte? Wenn die Partnerschaft zermürbende Probleme mit sich bringt? Teil eins unserer Artikelserie zur »Partnerschaft auf Augenhöhe« stellt die Unterschiede zwischen einer Beziehung in Liebe und einer möglichen emotionalen Abhängigkeit zwischen den Partnern heraus. Reift die Erkenntnis in einem, man könne in einer ungesunden, unglücklich machenden Beziehung stecken, stellt sich folgende Frage: Was tun, wenn man emotional abhängig ist?





Ist es etwa keine Liebe?

Love Letter weiß

Was tun, wenn die Liebe gekippt ist und man emotional abhängig ist? © Ahmed Ibn-Lahoucinei under cc

Es gibt viele Arten von Liebe. Man selbst sollte wählen können, welche davon wir leben. Wir halten die Liebe für erstrebenswert, weil sie uns glücklich machen soll. Ist also eine Liebe, die einen unglücklich werden lässt, in der man sich selbst nicht gefällt, überhaupt eine Liebe? An diesem schmalen Grad werden sich nicht nur unzählige Philosophen den Kopf zerbrechen.

Wenn ich nun in einer Beziehung feststecke, in der Eifersucht und Kontrolle eine große Rolle spielen; wenn ich mich minderwertig fühle, weil der Andere sich an bestimmten Verhaltensweisen von mir stört; wenn ich glaube, nicht mehr leben zu können, sobald der Andere mich verlässt – liebe ich dann und werde ich andererseits geliebt?
Was ist Liebe? Und was nicht? Es spielt keine Rolle. Eine der besten Definitionen von Liebe bezieht sich darauf, dass man sich gefällt, wenn man sich selbst durch die Augen des Anderen betrachtet. Dass man sein Selbstbild, was der andere von einem hat, schlichtweg mag. Nur darauf kommt es an. Dann ist Wohlfühlen in einer Beziehung vorprogrammiert.



Was soll man tun, wenn man emotional abhängig ist?



Es mag wie eine unüberwindbare Hürde erscheinen, sein Verhalten in Beziehungen, erst recht seine Bewertung dessen, zu ändern, dennoch ist es möglich. Der erste Schritt ist schon getan. Du bist hier! Und liest den Artikel. Weitere Schritte folgen.

Du musst – es wollen!

Der erste Schritt hinsichtlich einer Änderung, wenn man emotional abhängig ist, bezieht sich darauf: Man muss eine Änderung herbeiführen wollen! Hat man erst einmal erkannt, dass man sich in einer emotional abhängigen Beziehung befindet, wird der Wille, die Motivation, etwas daran zu ändern, nicht mehr verklingen. Sicher, es wird Phasen geben, in denen man in alte Verhaltensweisen zurückgeht, aber letztendlich bleibt die Erkenntnis bestehen. Und diese wird zuverlässig auf lange Sicht ausreichend Kraft schenken, um sein Beziehungsleben dahingehend umzukrempeln.

Selbsterkenntnis und Wachsamkeit

Eine Verhaltensweise zu ändern, das sagen Psychologen, dauert in etwa sechs bis acht Wochen. Die schlechte Nachricht: Puh, das ist ganz schön lang. Die gute Nachricht: Aber es ist machbar. Sein Verhalten zu ändern, fordert Selbstreflexion, Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. Wie reagiere ich in Situationen? Was denke ich? Was fühle ich?

Sich Pausen in Situationen erbitten

zwei Hände ineinander schwarz weiß

Liebe auf Ewigkeit: das wünschen sich viele von uns © JOHNNY LAI under cc

Wer sagt eigentlich, dass man in einer Situation immer sofort reagieren muss? Natürlich kommen dann Automatismen zum Tragen, die sich über die Jahre etabliert haben. Vor allem, wenn man sich zum Beispiel in einem emotionalen Ausnahmezustand befindet. Wichtig ist folglich, um alte Verhaltensabläufe zu durchbrechen: rausnehmen aus der Situation, verschnaufen und in Ruhe eine Reaktion überlegen. Mit jeder Verhaltensänderung in Situationen wird man nach und nach sein eigenes Ich anders bewerten. Reagiere ich stets besonnen in Situationen, sagt sich das Hirn irgendwann: Ah, ich bin ein besonnener Mensch!



Verhaltensänderung führt zur Neudefinition

Das bringt uns sogleich zum nächsten Punkt. Schaffe dir neue Facetten einer Identität. Zum einen, wie oben benannt, über Verhaltensänderungen. Zum anderen aber auch: weil du es so willst. Nähere dich deinem Idealselbst an. Im Prinzip schließt sich hier der Kreis zum vorgenannten Punkt: Redet man sich ein, ein besonnener Mensch zu sein (weil man es einfach möchte!), wird man in vielen Situationen automatisch besonnener reagieren. Eine Art Biofeedback in umgekehrter Art. Jenes wird nicht immer sofort und in allen Situationen funktionieren, aber Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Da waren viele Baumeister, die zuvor an eine Vision von Rom geglaubt haben!


Erkenne deinen eigenen Selbstwert an

Wenn du deinen eigenen Selbstwert pflegst und deinen eigenen Wert anerkennst, wirst du deinem Partner auch seine Entfaltung zugestehen. Weiterer Vorteil: Übertriebene Eifersucht gehört irgendwann der Geschichte an. Also: Fokussiere dich auf dich selbst. Deine Arbeit. Deine Hobbies. Deine Kinder. Dein Leben. Setze dich eingehend damit auseinander. Nicht nur oberflächlich. Wenn man emotional abhängig ist und dabei ist, sich zu befreien, wird man im Zuge dieses Prozesses bemerken, wie wenig Zeit und Kapazitäten man bisher in sich selbst investiert hat. Und wie viel Aufwand man demgegenüber in den Partner gesteckt hat.

Sei respektvoll

Wir kennen das Sprichwort: Wie es in den Wald hineinschallt … Wenn du dein Verhalten änderst, wird das auch bei deinem Gegenüber etwas auslösen. Behandelst du den anderen mit Respekt – so wie du selbst behandelt werden möchtest -, wird sich auch beim Partner etwas ändern. Aus dem Chaos erfolgt eine Neuordnung. Wie diese sich gestaltet, wird man sehen. In jedem Fall bringt sie neue Ansatzpunkte.

Hebe die Kontrolle auf; öffne Grenzen

Beutel mit Strichmännchen und Herz

Die naturgegebene Liebe eines Kindes ist die reinste Form der Liebe. © Henrik Ström under cc

Wer viel kontrollieren will, muss viel investieren. Aus dem einfachen Grund: weil man prüfen muss, ob der Andere auch die gestellten Erwartungen umsetzt und erfüllt. Hebe Grenzen auf und du wirst sehen, es lebt sich friedlicher damit. Beispiel: Ständig darüber nachzudenken, der andere könne fremdgehen, zermürbt. Anstatt im Handy des Partners herumzustöbern oder über feinsinnige Fragen, mehr herauskriegen zu wollen, sollte man sich bewusst machen, was so schlimm daran wäre, wenn der Partner sich vorübergehend mit einem anderen Menschen amüsiert. Bin ich deswegen weniger Wert, nur weil er sich seiner Leidenschaft hingegeben hat? Ist unsere Liebe, Beziehung oder Ehe weniger wert? Eine extreme Form der Grenzöffnung wäre die Polyamorie, die übrigens als Vorschlag für ein neues Beziehungsmodell sehr häufig von Frauen ausgeht.

Finde Gleichgesinnte

Keine Scheu. Online oder face to face: Heutzutage kann man sich mit Gleichgesinnten austauschen. Sich ausprechen. Gemeinsam beraten, ohne zu verurteilen. Schau einfach mal im Web nach Begriffen wie: Co-Abhängigkeit, emotionale Abhängigkeit, ist es wirklich Liebe, woran erkennt man wahre Liebe, Beziehung mit einem Narzissen etc. Facetten, wie solche als emotional abhängig charakterisierte Beziehungen aussehen, gibt es viele. Ergo auch viele Anknüpfungspunkte.


Schlechte Gedanken können weg

Man muss aufpassen, was man zu sich selbst sagt. Das ist genau so gemeint, wie es da steht. Sei behutsam im Umgang mit dir selbst. Das heißt nicht, dass man seine eigenen Fehler komplett ausblenden soll. Nein. Man muss sie nur einfach akzeptieren und nicht den Selbstwert darüber definieren. Schließlich kann man es beim nächsten Mal besser machen. Wie heißt es so schön: Niemand reißt dir den Kopf ab. Also starte einen neuen Versuch, anstatt dich selbst runterzumachen. Das wäre nicht effizient.

Lieb dich einfach!

Ganz genau. Richtig gelesen. Fange an, dich selbst zu lieben. Auch wenn du es dir erst einmal einreden musst. Wir erinnern uns, sechs bis acht Wochen dauert eine Verhaltensänderung. Und ja, sich vor dem Spiegel stellen und sich anzulächeln und sich zu sagen, wie sehr man sich schätzt und dass man stark sein möchte, funktioniert wirklich. Ein psychologischer Kniff, der genauso wie die davor aufgezählten, über Kurz oder Lang dazu führen wird, sich zu befreien, wenn man emotional abhängig ist. Diese Befreiung wird dich aufatmen lassen. Versprochen.

So mancher wird sich fragen, wie es eigentlich dazu gekommen ist, dass man emotional abhängig ist? Wir fragen uns das auch. Und gehen dieser Thematik im nächsten Teil unserer Artikelreihe nach.