Ständig sind sie im Rampenlicht, werden mit Gerüchten bombardiert und haben immer wieder Krisen: Trotzdem sind Victoria und David Beckham seit zwölf Jahren verheiratet. Dies wirft die Frage auf, warum manche Paare trotz großer Schwierigkeiten zusammen bleiben, während andere die Scheidung als letzten Ausweg betrachten. Meist ist ein richtiges Krisenmanagement ausschlaggebend.
Die Rolle des Krisenmanagements

Glückliches Paar © Peter Harrison under cc
Als Scheidungsursachen werden häufig Kommunikationsschwierigkeiten, Untreue, Alkohol- oder Drogenkonsum, finanzielle Probleme, Rollenkonflikte, sexuelle Probleme, Abnahme der emotionalen Bindung, Vernachlässigung oder einfach Unzufriedenheit mit dem Partner genannt (Kitson & Sussman, 1982; Kurdek, 1993; Price & McKenry, 1987; Schneider, 1990; White, 1990). Waite (2009) kam in einer Studie mit über 100 Paaren allerdings zu dem Schluss, dass nicht der Grad der Belastung entscheidend ist, sondern das Krisenmanagement. Auch wenn sich eine Partnerschaft durch ein hohes Konfliktpotential und viele unterschiedliche Interessen auszeichnet, kann sie dennoch erfolgreich sein, wenn beide die Fähigkeit und Bereitschaft mitbringen die Probleme gemeinsam zu lösen.
Wodurch zeichnet sich ein erfolgreiches Krisenmanagement aus?
Gemeinsame Bewältigungsstrategie
Auch wenn viele Paare den Wunsch verspüren zusammenzubleiben und die Probleme gemeinsam zu bewältigen, scheitern sie häufig an unterschiedlichen Bewältigungsstrategien. Beispielsweise möchte einer den Konflikt konstruktiv lösen, in dem er das Gespräch bzw. eine gemeinsame Lösung sucht. Der andere hingegen will das Thema lieber vermeiden, um Streit aus dem Weg zu gehen und die Beziehung nicht unnötig zu belasten. Beide glauben nun, dass ihre Strategie die richtige ist. Eine Studie von Birditt et al. (2010) konnte zeigen, dass die Beziehung dann besonders gefährdet ist, wenn nur einer von beiden das Problem konstruktiv behandeln möchte. Dieser fühlt sich dann in seinem Bemühen allein gelassen bzw. nicht ernst genommen. Er nimmt hingegen nicht wahr, dass der andere versucht das Konfliktpotential durch Hinnehmen der Angelegenheit zu senken. Die Studie kam zu dem Schluss, dass die niedrigsten Scheidungsraten in den Partnerschaften auftraten, in denen beide die Konflikte konstruktiv angehen wollten.
Empathie
Nach Meinung von Ernst (2011) ist es bei der konstruktiven Problembewältigung entscheidend, die Wünsche, Bedürfnisse und Meinungen des Gegenübers zu erfragen und zu reflektieren. Elementar dabei ist, dem Partner genau zuzuhören und die Dinge temporär aus der Sicht des anderen zu betrachten. Dies macht es erforderlich, für eine gewisse Zeit von eigenen Überzeugungen Abstand zu halten. Dadurch fühlt sich der andere in seinem Anliegen mehr gesehen. Allerdings ist es nicht die Aufgabe des Partners alle Wünsche seines Gegenübers zu erfüllen (Ernst, 2011). Dies würde diesen auch überfordern, da er selbst Anliegen hat, um die er sich kümmern muss. Ein Entgegenkommen von beiden Seiten ist optimal.
Loslassen vom Idealbild
In der Anfangsphase der Beziehung gibt der Partner noch sein Bestes: Er lädt zum Candle-Light-Dinner ein, macht kleine Geschenke und gibt den humorvollen und aufmerksamen Interaktionspartner. Viele präsentieren sich zu Beginn einer Beziehung als perfekter Partner und erzeugen somit beim anderen ein Idealbild. Im Beziehungsalltag gelingt es hingegen den wenigsten, dieses Ideal dauerhaft aufrecht zu erhalten. Laut Ernst (2011) besteht das Problem darin, dass dieses Bild beim Gegenüber auch noch im Alltag vorherrscht. Der Partner wird also auch noch in der späteren Beziehung mit dem anfänglichen Idealbild verglichen. Er empfiehlt daher, dieses Ideal loszulassen und die Schwächen und Fehler des Partners mehr zu tolerieren.
Quellenangaben
- Birditt, K.S., Brown, E., Orbuch, T.L. & McIlvane, J.M. (2010). Marital conflict behaviors and implications for divorce over 16 years. Journal of Marriage and Family, 72, 1.188-1.204.
- Ernst, H. (2011). Was machen diese beiden richtig? TV Hören und Sehen, 41, 10-11.
- Kitson, G.C. & Sussman, M. (1982). Marital complaints. Demographic characteristics, and symptoms of marital distress in divorce. Journal of Marriage and the Family, 1, 87-101.
- Kurdek. L.A. (1993). Predicting marital dissolution: A 5-year prospective longitudinal study of newlywed couples. Journal of Personality and Social Psychology, 64, 221-242.
- Price, S.J. & McKenry, P.C. (1987). Divorce. Beverly Hills: Sage.
- Schneider, N.F. (1990). Woran scheitern Partnerschaften? Subjektive Trennungsgründe und Belastungsfaktoren bei Ehepaaren und nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Zeitschrift für Soziologie, 19, 458-470.
- Waite, L J., Laumann, E.O., Das, A. & Schumm, L.P. (2009). Sexuality: measures of partnerships, practices, attitudes, and problems in the national social life, health and aging study. Journals of Gerontology: Social Sciences, Spezialausgabe.
- White, L.K. (1990). Determinants of divorce: A review of research in the eighties. Journal of Marriage and the Family, 52, 904-912.