Was ist Angst?

Vogel über Meer

Ein inneres Bild von Freiheit und Ungebundenheit. © Archana Jarajapu under cc

Betrachten wir die Angst – die häufigste menschliche Emotion. Angst ist ein Gefühl, das wirklich jeder kennt. Wir fürchten uns vor Dunkelheit, Flugzeugabstürzen, Hunden oder sogar dem Vorgesetzten.

Ist das Gefühl einmal da, spüren wir es von den Zehen bis in die Haarspitzen. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Hände zittern, wir schwitzen, der Bauch rumort. Es gilt als erwiesen, dass eine bestimmte Struktur des Gehirns dabei eine große Rolle spielt: die sogenannte Amygdala.

Die Amygdala dient uns Menschen, aber auch Tieren, als Alarmanlage. Innerhalb von wenigen Millisekunden bewertet sie Situationen und schätzt Gefahren ein. Kurze Anblicke, Geräusche oder Gerüche lösen Angst aus – manche Ängste sind angeboren, andere werden im Laufe des Lebens erworben.

Auch Reize, die lange Zeit neutral oder positiv wahrgenommen wurden, können durch Lernprozesse irgendwann mit Gefahr assoziiert werden und später Angst auslösen, wie zum Beispiel das Schreien einer Möwe, das dem Kind einst ein Fischbrötchen aus der Hand geraubt hat und abgespeichert wurde. Das System beschützt unser Leben, es ist dafür da, dass es sofort Flucht oder Kampf anregt, sobald nur irgendein kleiner Stimulus aufkommt.

Jedoch löst dieser empfindliche, schnelle Weg des Angst-Schaltkreises hin und wieder auch einen falschen Alarm aus, wie z.B. wenn wir uns vor unserem eigenen Schatten erschrecken.

Hilft Hypnotherapie gegen Burnout?

Dauerstress findet vorwiegend im Kopf statt. Daher ist das Überlastungssymptom Burnout gut mit Hypnotherapie behandelbar. Hypnose ermöglicht es, über direkte und indirekte Kommunikation mit dem Unterbewusstsein zu interagieren. Zudem ist Hypnose eine gute Möglichkeit, Stresssymptome zu reduzieren.

Meist sind dafür nur wenige Sitzungen erforderlich, aber das hängt vom Einzelfall und der Art der Überlastungssymptome ab und auch davon, wie lange die Symptome bereits bestehen.
 

Wie läuft der Gesprächsteil der Hypnotherapie ab?

Im Gesprächsteil der Hypnotherapie gegen Burnout geht es um eine lösungsorientierte Situationsbewertung und eine diesbezügliche Einschätzung und Nutzung eigener Ressourcen und Fähigkeiten bzw. deren Ausbau.

Dazu gehört, die Stressauslöser zu identifizieren und herauszufinden, auf welche Stressoren der Mensch Einfluss hat und auf welche nicht. Anschließend werden die funktionellen Zusammenhänge ermittelt. Lösen beispielsweise innere ungünstige Bewertungen wie zu hohe Ansprüche oder Angst vor Misserfolg und daraus resultierende Fokussierungen den Stress aus? Der individuelle Rahmen wird ermittelt, analysiert und mit emotionaler Distanzierung betrachtet.

Um Lösungsmuster zu aktivieren, werden Problemausnahmen erfasst und zur Verbesserung der Selbstregulierungskompetenz und des Selbstbildes gefördert.

Positive Ausnahmesituationen werden als Anker für Zukunftsprojektionen zur Bewältigung stressiger Situationen genutzt. Die Assoziation positiver Erfahrungen kann in stressauslösenden Situationen zu einem hilfreichen Therapeutikum werden. In der hypnosystemischen Anti-Stress-Therapie stellt der Klient diese Verknüpfungen her, um Problemerlebnisse allgemein besser zu verarbeiten.

Mittels „Future Pacing“, d.h. dem mentalen Erleben zukünftiger Situationen mit den gewünschten Ressourcen, lädt der Therapeut den Patienten dazu ein, ein Bild davon zu entwerfen, wie er sich beim Erreichen des Zieles verhalten würde. Im Tranceteil vertieft der Patient diese Lösungsphantasie, sodass sie auch im Unbewussten, der Instanz selbst, für die gewünschte Veränderung sorgt.

Die Hypnosesitzung

In der Hypnosesitzung wird die Trance über die Atmung eingeleitet. Mit Ruheinduktionen in allen Sinnesmodulationen kann der Klient dann einen Ressourcen-Ort finden. Dieser Ort wird erkundet und mit Suggestionen zum psychophysiologischen Entspannungsprozess vertieft. Der Klient bestimmt nun eine Farbe als Symbol für seine Zielerreichung und lokalisiert sie an einer Körperstelle seiner Wahl.

Die meisten Patienten lokalisieren diese Farbe im Brust- oder Bauchraum. Im Anschluss sammelt der Klient in Dreifachdissoziationen persönliche Stärken und Schwächen. Der Klient wählt eine Farbe und reinigt so das Ziel von seinen Schwächen.

Danach wählt der Klient ein Kraftwesen als zusätzliche Ressource, ein persönliches Krafttier, das z.B. in stressigen Situationen immer für ihn da ist – und zwar ein Leben lang.

Das Krafttier wird so als ständig verfügbarer Begleiter internalisiert. Zwischen dem Klienten und dem Krafttier findet ein Dialog statt. Anschließend wird die reine Farbe für das Ziel im ganzen Körper lokalisiert und es finden auf zellulärer Ebene Reinigungs- und Regenerationsprozesse statt.

Mittels ideomotorischer Signale kann das Unbewusste des Klienten befragt werden. Kann es hier und heute ohne Rückfall und Symptomverschiebung beginnen, die gewünschte Veränderung automatisch einzuleiten? Ist die Antwort positiv, wird das Future Pacing aus dem gesprächspsychologischen Teil in Trance durchgeführt und der Patient sieht und fühlt sich in der Zielsituation und schaut von dort zufrieden auf sich zurück.

Mittels posthypnotischer Suggestion etabliert sich so die dauernde Verfügbarkeit des Gefühls von Stressresilienz.

Fällt die ideomotorische Reaktion des Unbewussten negativ aus, führt der Therapeut eine Widerstandsanalyse durch. Liegen die Gründe für das Stressverhalten beispielsweise in einer Schutzfunktion, die aus hinderlichen Vorerfahrungen aus der Kindheit herrühren, findet eine Innere-Kind-Heilung statt.

Anschließend wird die Figur des Saboteurs hinzugefügt. Das ist eine symbolische Figur für die Stimme in uns, die den Erfolg nach Beendigung der Hypnose in Zweifel ziehen könnte. Mit dem Saboteur wird ein Vertrag mit der Verpflichtung geschlossen, dass er das Ziel unterstützt. Je nach Individualität des Klienten werden Metaphern und Geschichten zur Suche von Lösungen eingestreut.

Zu guter Letzt verabschiedet sich der Klient von alten Glaubens- und Bewertungsmustern, indem er Sandsäcke eines Heißluftballon abschneidet, den der zuvor bestiegen hat. Nun kann der Klient lebhaft sehen und spüren, wie der Ballon mit jedem verabschiedeten Glaubenssatz an Höhe und er an Freiheit gewinnt.

Gegen Ende der Hypnose wird das Gefühl von Freisein verankert, insbesondere in Form der sich entwickelnden Stressresilienz, und mit einer gezielten posthypnotischen Suggestion der dauernden Verfügbarkeit im Alltag über ein einfaches Fingerritual etabliert.

Als Hausaufgabe erhält der Patient die Aufgabe, die Tranceerfahrung der Therapiestunde regelmäßig in Selbsthypnose anzuwenden.
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Das Psychologie Magazin bedankt sich bei unserem Gastautor Klaus Ulbrich für den Beitrag. Herr Ulbrich arbeitet als Hypnotherapeut in eigener Praxis, er ist Begründer der Individuations-Therapie, seine Website, ist unter ganzheitliche-hypnotherapie.de erreichbar.