Junge Frau, Gesicht, blickt gesenkt, ausgebrannt, Holzwand

Oft sieht man, wie es um den anderen steht, auch wenn die Fassade intakt ist. © Philo Nordlund under cc

Der Begriff „Burnout“ kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „Ausbrennen“. Symptome des Burnout-Syndroms sind Erschöpfung, Schlafstörungen, Lustlosigkeit, Infektanfälligkeit, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Verspannungen oder Gelenkschmerzen. Verursacher von Burnout ist in der Regel negativer Stress (Disstress).
 

Wie reagiert der Körper auf Stress?

Von Stress sprechen viele, ohne wirklich zu wissen, was eigentlich damit gemeint ist. Stress aktiviert das sogenannte adrenerge System, das über die Nebennieren Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol freisetzt. Es handelt sich dabei um ein uraltes System, das uns hilft, im Moment der Anspannung, des Kampfes oder der Auseinandersetzung alle überlebensnotwendigen Mittel im Körper bereitzustellen.

Es gibt aber auch den Eustress, d.h. den positiven Stress. Bei dieser Stressform werden zwar dieselben Neurotransmitter im Körper ausgeschieden, im Gegensatz zu negativem Stress verarbeitet der Körper diesen Stress jedoch anders.

Das vegetative Nervensystem

Im Körper gibt es zwei Nervensysteme, die unwillkürlich sind, d.h. wir können sie nicht beeinflussen. Sie heißen „sympathisches“ und „parasympathisches“ System.

Das sympathische System wird bei Flucht, Kampf oder auch beim Erstarren aktiviert. Es setzt Adrenalin frei, unser Puls- und Blutdruck steigen und unsere Wahrnehmung wird zunehmend eingeschränkt. Wir entwickeln quasi einen Tunnelblick, mit dem wir uns auf den bevorstehenden Kampf einstellen.

Zudem setzt unser Körper – messbar – mehr Leukozyten frei, z.B. für den Fall, dass wir in einer Auseinandersetzung bluten oder uns verletzen und damit das Immunsystem sofort einsatzbereit ist. Ferner erhöht sich unsere Körperkerntemperatur und die Verdauung wird stillgelegt.

Es werden viele Mechanismen in Gang gesetzt, die dazu dienen, dass wir uns auf nichts anderes als auf den bevorstehenden Kampf konzentrieren können.

Das Problem ist, dass dieses System irgendwann ermüdet. Es gibt zwar eine Anpassung, die uns ermöglicht, uns länger an Stress zu gewöhnen und die verhindert, dass unser System nicht schon nach kurzer Zeit kollabiert. Das führt dazu, dass wir tagelang unter Stress stehen können, aber die Phase der totalen Erschöpfung mit diversen Störungsbildern auf körperlicher Ebene erst nach Tagen oder Wochen eintritt. Menschen, die lange Zeit Dauerstress ausgesetzt sind, zeigen Veränderungen in Bezug auf ihren Blutdruck, sie können nicht mehr adäquat mit dem Blutzuckerspiegel reagieren und geraten häufig in einen Zustand der Energielosigkeit aufgrund von Unterzucker.

Oftmals leidet zudem ihr gesamtes Sexualhormonsystem darunter, was zur Folge hat, dass sie neben der Antriebslosigkeit auch eine sexuelle Unlust bis hin zur Impotenz entwickeln können.

Das parasympathische System ist in vielen Funktionen der Gegenspieler des sympathischen Systems. Durch das parasympathische System werden Körperfunktionen angeregt, die der Regeneration des Organismus dienen und die das innere Gleichgewicht des Organismus wiederherstellen.

Wird Acetylcholin freigesetzt, entspannen sich die Muskeln, der Blutdruck senkt sich, die Pulsfrequenz geht herunter, die Verdauung wird angeregt, die Speicheldrüsen aktivieren sich und der Verdauungstrakt reguliert sich.
 
Der Parasympathikus bremst die Stresshormon-Ausschüttung und füllt die geleerten Energiespeicher nach der Stressreaktion wieder auf. Regeneration und Heilung stehen insofern in engem Zusammenhang mit der Aktivierung des parasympathischen Systems.

Das parasympathische System wird sofort unterbrochen, wenn der Körper in einen Stresszustand gerät. Geben wir dem Körper nicht genügend Zeit zur Regeneration und Selbstheilung, kommt es deshalb zwangsläufig zu Energielosigkeit und zur weiteren Krankheitsentwicklung.

Befinde ich mich bereits im Stresskreislauf?

Negativer Stress kann eine Abwärtsspirale, eine Kaskade an Stress auslösen. Menschen, die vielen unterschiedlichen Stressfaktoren unterworfen sind, nehmen meistens alle Probleme mit in den Schlaf; da Regeneration und Heilung jedoch dabei unterdrückt werden, können sie nicht einschlafen und das führt wiederum zu Energielosigkeit.

Umso weniger Energie eine Person hat, umso größer und stressiger wird all das, was sie an Herausforderungen zu meistern hat. Süßkonsum, Rauchen, Wein, Bier und die Tüte Chips vor dem Fernseher entlasten jedoch nur vordergründig in stressigen Situationen, auf Dauer führen sie zu einer weiteren Zunahme des Stresslevels, weil der Körper Abhängigkeiten entwickelt und die schädlichen Auswirkungen zusätzlichen Stress erzeugen.

Innere emotionale Stressoren und konditionierte Reflexe

Zur physiologischen Problematik gesellt sich die psychische Komponente. Emotionen wie Angst, Sorge, Schrecken, Verzweiflung und Schmerz sind die größten Stressfaktoren, an denen wir leiden und an denen wir wachsen. Leider lernen wir am Misserfolg viel leichter als am Erfolg, weil die Negativ-Alarmmelder aufgrund der Evolution viel höher bewertet werden.

Wir Menschen kennen mehr Schmerzsignale als Wohlfühlsignale. Letztere müssen wir meist erst selber erzeugen. Das schönste Wohlfühlsignal, der Orgasmus, ist nach kurzer Zeit beendet, während ein Schmerzsignal ein Leben lang anhalten kann. Wir konditionieren uns, das heißt, wenn wir ein Schmerzsignal haben, das immer wieder auftritt, sammeln unsere Nervenzellen diese Informationen, speichern sie ein und reagieren mit Reflexen darauf. Wenn ein Autofahrer als Anfänger noch tausende Rezeptoren braucht, benötigt er als versierter Profi später nur noch eine Handvoll.

Konditionierte Reflexe zeigen sich auch in Gefühlen, zum Beispiel in der Angst. Ein bekanntes Beispiel aus der Psychologie ist das Kind, das im dritten Lebensjahr vom Babysitter in den Kohlenkeller gesperrt wurde. Für das Kind war das ein schlimmes Trauma. Es war im Dunkeln, allein, hatte kein Zeitempfinden und es wusste nicht, ob es jemals wieder herauskommt.

Auch wenn die Situation nie wieder vorkommt, kann es sein, dass das Kind später wieder Angst empfindet – diese Angst ist zwar keine Angst vor dem Kohlenkeller, aber vielleicht eine Angst vor Dunkelheit, eine Angst vor Winter, eine Angst vor Straßentunneln, dunklen Sackgassen, Tiefgaragen oder auch eine Angst vor Fahrstühlen.

Es kann sogar so weit kommen, dass diese Person eine Erwartungsangst entwickelt – jedes Mal, sobald diie Furcht im Kopf auftaucht, laufen die ganzen konditionierten Stressreflexe ab. Folglich sind die Emotionen der eigentliche Schlüssel zum Burnout und nicht die äußeren Umstände. Das erklärt, dass in ähnlichen Situationen einzelne Menschen erkranken und andere nicht. 
 

Was ist Angst?

Vogel über Meer

Ein inneres Bild von Freiheit und Ungebundenheit. © Archana Jarajapu under cc

Betrachten wir die Angst – die häufigste menschliche Emotion. Angst ist ein Gefühl, das wirklich jeder kennt. Wir fürchten uns vor Dunkelheit, Flugzeugabstürzen, Hunden oder sogar dem Vorgesetzten.

Ist das Gefühl einmal da, spüren wir es von den Zehen bis in die Haarspitzen. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Hände zittern, wir schwitzen, der Bauch rumort. Es gilt als erwiesen, dass eine bestimmte Struktur des Gehirns dabei eine große Rolle spielt: die sogenannte Amygdala.

Die Amygdala dient uns Menschen, aber auch Tieren, als Alarmanlage. Innerhalb von wenigen Millisekunden bewertet sie Situationen und schätzt Gefahren ein. Kurze Anblicke, Geräusche oder Gerüche lösen Angst aus – manche Ängste sind angeboren, andere werden im Laufe des Lebens erworben.

Auch Reize, die lange Zeit neutral oder positiv wahrgenommen wurden, können durch Lernprozesse irgendwann mit Gefahr assoziiert werden und später Angst auslösen, wie zum Beispiel das Schreien einer Möwe, das dem Kind einst ein Fischbrötchen aus der Hand geraubt hat und abgespeichert wurde. Das System beschützt unser Leben, es ist dafür da, dass es sofort Flucht oder Kampf anregt, sobald nur irgendein kleiner Stimulus aufkommt.

Jedoch löst dieser empfindliche, schnelle Weg des Angst-Schaltkreises hin und wieder auch einen falschen Alarm aus, wie z.B. wenn wir uns vor unserem eigenen Schatten erschrecken.

Hilft Hypnotherapie gegen Burnout?

Dauerstress findet vorwiegend im Kopf statt. Daher ist das Überlastungssymptom Burnout gut mit Hypnotherapie behandelbar. Hypnose ermöglicht es, über direkte und indirekte Kommunikation mit dem Unterbewusstsein zu interagieren. Zudem ist Hypnose eine gute Möglichkeit, Stresssymptome zu reduzieren.

Meist sind dafür nur wenige Sitzungen erforderlich, aber das hängt vom Einzelfall und der Art der Überlastungssymptome ab und auch davon, wie lange die Symptome bereits bestehen.
 

Wie läuft der Gesprächsteil der Hypnotherapie ab?

Im Gesprächsteil der Hypnotherapie gegen Burnout geht es um eine lösungsorientierte Situationsbewertung und eine diesbezügliche Einschätzung und Nutzung eigener Ressourcen und Fähigkeiten bzw. deren Ausbau.

Dazu gehört, die Stressauslöser zu identifizieren und herauszufinden, auf welche Stressoren der Mensch Einfluss hat und auf welche nicht. Anschließend werden die funktionellen Zusammenhänge ermittelt. Lösen beispielsweise innere ungünstige Bewertungen wie zu hohe Ansprüche oder Angst vor Misserfolg und daraus resultierende Fokussierungen den Stress aus? Der individuelle Rahmen wird ermittelt, analysiert und mit emotionaler Distanzierung betrachtet.

Um Lösungsmuster zu aktivieren, werden Problemausnahmen erfasst und zur Verbesserung der Selbstregulierungskompetenz und des Selbstbildes gefördert.

Positive Ausnahmesituationen werden als Anker für Zukunftsprojektionen zur Bewältigung stressiger Situationen genutzt. Die Assoziation positiver Erfahrungen kann in stressauslösenden Situationen zu einem hilfreichen Therapeutikum werden. In der hypnosystemischen Anti-Stress-Therapie stellt der Klient diese Verknüpfungen her, um Problemerlebnisse allgemein besser zu verarbeiten.

Mittels „Future Pacing“, d.h. dem mentalen Erleben zukünftiger Situationen mit den gewünschten Ressourcen, lädt der Therapeut den Patienten dazu ein, ein Bild davon zu entwerfen, wie er sich beim Erreichen des Zieles verhalten würde. Im Tranceteil vertieft der Patient diese Lösungsphantasie, sodass sie auch im Unbewussten, der Instanz selbst, für die gewünschte Veränderung sorgt.

Die Hypnosesitzung

In der Hypnosesitzung wird die Trance über die Atmung eingeleitet. Mit Ruheinduktionen in allen Sinnesmodulationen kann der Klient dann einen Ressourcen-Ort finden. Dieser Ort wird erkundet und mit Suggestionen zum psychophysiologischen Entspannungsprozess vertieft. Der Klient bestimmt nun eine Farbe als Symbol für seine Zielerreichung und lokalisiert sie an einer Körperstelle seiner Wahl.

Die meisten Patienten lokalisieren diese Farbe im Brust- oder Bauchraum. Im Anschluss sammelt der Klient in Dreifachdissoziationen persönliche Stärken und Schwächen. Der Klient wählt eine Farbe und reinigt so das Ziel von seinen Schwächen.

Danach wählt der Klient ein Kraftwesen als zusätzliche Ressource, ein persönliches Krafttier, das z.B. in stressigen Situationen immer für ihn da ist – und zwar ein Leben lang.

Das Krafttier wird so als ständig verfügbarer Begleiter internalisiert. Zwischen dem Klienten und dem Krafttier findet ein Dialog statt. Anschließend wird die reine Farbe für das Ziel im ganzen Körper lokalisiert und es finden auf zellulärer Ebene Reinigungs- und Regenerationsprozesse statt.

Mittels ideomotorischer Signale kann das Unbewusste des Klienten befragt werden. Kann es hier und heute ohne Rückfall und Symptomverschiebung beginnen, die gewünschte Veränderung automatisch einzuleiten? Ist die Antwort positiv, wird das Future Pacing aus dem gesprächspsychologischen Teil in Trance durchgeführt und der Patient sieht und fühlt sich in der Zielsituation und schaut von dort zufrieden auf sich zurück.

Mittels posthypnotischer Suggestion etabliert sich so die dauernde Verfügbarkeit des Gefühls von Stressresilienz.

Fällt die ideomotorische Reaktion des Unbewussten negativ aus, führt der Therapeut eine Widerstandsanalyse durch. Liegen die Gründe für das Stressverhalten beispielsweise in einer Schutzfunktion, die aus hinderlichen Vorerfahrungen aus der Kindheit herrühren, findet eine Innere-Kind-Heilung statt.

Anschließend wird die Figur des Saboteurs hinzugefügt. Das ist eine symbolische Figur für die Stimme in uns, die den Erfolg nach Beendigung der Hypnose in Zweifel ziehen könnte. Mit dem Saboteur wird ein Vertrag mit der Verpflichtung geschlossen, dass er das Ziel unterstützt. Je nach Individualität des Klienten werden Metaphern und Geschichten zur Suche von Lösungen eingestreut.

Zu guter Letzt verabschiedet sich der Klient von alten Glaubens- und Bewertungsmustern, indem er Sandsäcke eines Heißluftballon abschneidet, den der zuvor bestiegen hat. Nun kann der Klient lebhaft sehen und spüren, wie der Ballon mit jedem verabschiedeten Glaubenssatz an Höhe und er an Freiheit gewinnt.

Gegen Ende der Hypnose wird das Gefühl von Freisein verankert, insbesondere in Form der sich entwickelnden Stressresilienz, und mit einer gezielten posthypnotischen Suggestion der dauernden Verfügbarkeit im Alltag über ein einfaches Fingerritual etabliert.

Als Hausaufgabe erhält der Patient die Aufgabe, die Tranceerfahrung der Therapiestunde regelmäßig in Selbsthypnose anzuwenden.
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Das Psychologie Magazin bedankt sich bei unserem Gastautor Klaus Ulbrich für den Beitrag. Herr Ulbrich arbeitet als Hypnotherapeut in eigener Praxis, er ist Begründer der Individuations-Therapie, seine Website, ist unter ganzheitliche-hypnotherapie.de erreichbar.